Washington, DC

Wie angekuendigt haben wir die Hauptstadt der USA besucht und es hat sich gelohnt! Leider waren die 1,5 Tage, die wir vor Ort hatten viel zu kurz, um all das zu machen, was wir gern wollten. Vor allem Museen-Besuche, die ja immer recht zeitintensiv sind, blieben auf der Strecke, obwohl Washington da echt jede Menge zu bieten hat. Insgesamt ist die Stadt einfach schoen, im wahrsten Sinne des Wortes. Es gibt keine gigantischen Hochhaeuser, sondern architektonisch richtig tolle Gebaeude, ausserdem den wirklich schnuckeligen Ortsteil Georgetown, wo wir auch gewohnt haben.
Nach unserer Ankunft am Samstagmittag (die Fahrt dauerte nur ca. 3,5 Stunden) sind wir vom Hotel aus mit dem Bus in die Innenstadt gefahren, und dann stand erst mal das Pflichtprogramm an: Weisses Haus, Lincoln Monument und Washington Monument.

Alles drei hat mich irgendwie nicht so richtig vom Hocker gehauen und ich war erst mal enttaeuscht. Man steht zwischen hunderten anderen Menschen vorm Weissen Haus, knipst ein Foto – fertig. Ich hab nur gedacht, wie furchtbar das fuer Obamas sein muss, wenn staendig Leute vorm Haus rumlungern. Also, mein Fall waere das nicht… Interessanter sind da schon die Demonstraten ueberall in Washington. Es ist faszinierend, wenn eine kleine Gruppe Menschen in dieser riesigen Stadt mit ihren selbstgemalten Schildchen rumspazieren und versuchen, dadurch die Welt zu veraendern. Da muss echt jede Menge Idealismus dahinterstecken. Oder Durchhaltevermoegen, wie hier:

Es sass noch eine ziemlich schraege alte Frau dabei, die mit fiepsender Stimme irgendwelche Parolen vor sich hin brabbelte.

Das Wetter war perfekt: 22 Grad und kein Woelkchen am Himmel. Wir sind also alles zu Fuss abgelaufen. Allerdings waren die Strecken doch ziemlich weit, wenn auch nett, da das ganze Areal parkaehnlich angelegt ist. Besser ist es, sich dort Fahrraeder zu leihen – man sieht alles, kommt aber schneller voran. Das Capitol haben wir nicht mehr geschafft, weil wir einfach keine Lust mehr hatten zu laufen.

Richtig toll ist das World War II Memorial, auch wenn wir es erst nicht als solches erkannt haben. Zum Glueck – die Amerikaner huldigen ja sehr gern ihre Kriege, die sie gefuehrt haben, und besonders gern ihre Leistung bzw. ihre gestorbenen Soldaten. Ich schaeme mich dann immer ein bisschen „Boese“ Deutsche zu sein – bloed, ich kann’s aber nicht abstellen. Also konnte ich die tolle Anlage erstmal ungetruebt geniessen und wir konnten unsere heiss gelaufenen Fuesse kuehlen!

Abends empfahl man uns im Hotel, zum Essen in eins der vielen Restaurants in Georgetown Downtown zu gehen. Es gab praktischerweise einen kostenlosen Shuttleservice vom Hotel dorthin. Es entpuppte sich als wirklich toll – nur fuer eine Familie mit Kindern leider voellig ungeeignet… Es waren jede Menge vor allem junge Leute auf den Strassen unterwegs, um dort in den Bars zu feiern. Die Restaurants waren restlos ueberfuellt, teilweise lag die Wartezeit fuer einen Tisch bei 1,5 Stunden. Wir haben dann zwar noch einen Platz in einem netten Lokal gefunden, leider war das Personal dort aber voellig ueberfordert, so dass wir erst nach zwei Stunden aus dem lauten Restaurant rauskamen und alle einfach nur noch ins Bett wollten.

Am naechsten Morgen waren wir aber wieder fit und haben uns wie am Samstag per Bus auf den Weg gemacht. Diesmal sind wir bis zur Endstation sitzen geblieben – unser Ziel war der Bahnhof Union Station. Das Gebaeude wurde 1907 eroeffnet, es ist richtig toll und absolut einen Besuch wert. Von dort aus starteten wir unsere Stadtrundfahrt mit Trolley Tours, die „Hopp on – hopp off“ anbieten und saemtliche Sehenwuerdigenkeiten der Stadt anfahren. Wir sind fast die kompletten Strecken abgefahren, mehrmal ab- und wieder aufgehuepft und haben die doch recht teure Investition nicht bereut.

Unser erstes Ziel mit dem Trolley war das Spy Museum, wo man alles ueber Spionage lernen konnte und selbst in die Rolle eines Spions schluepfen konnte. Das ganze war so geheim, dass man dort nicht fotografieren durfte. Es gab vor allem fuer die Kinder allerlei Aktivitaeten, die aber auch fuer Erwachsene interessant sind. Es ist spannend zu sehen, dass es Menschen gibt, die ihr komplettes Leben aufgeben, um – meist aus Patriotismus – als Spion ein voellig fremdes Dasein zu leben. Leider mussten wir hier Eintritt bezahlen, obwohl man uns sagte, dass in Washington die meisten Museen kostenfrei zu besuchen sind.

Anschliessend sind wir ohne festes Ziel mit dem Trolley weitergefahren. Die Busfahrer hatten allerlei Geschichten auf Lager und konnten eine Menge zu Washington erzaehlen. Unter anderem haben wir auch das haesslichste Gebaeude der Stadt gesehen, das Hauptbuero des FBI.

Frueher konnte man hinein gehen und sich die Fotos der meistgesuchtesten Verbrecher der Welt angucken – wie spannend! Leider ist das seit 9/11 nicht mehr moeglich. Es gab aber zu unserer Begeisterung etwas anderes zu erleben: Der Bus musste plotzlich bremsen, weil sich vor uns der Verkehr staute. Ein riesiges Aufgebot an Polizei heizte die Strasse entlang und ueber uns konnte man Hubschrauber hoeren – Barack Obama kam gerade nach Hause! Wenn er das Haus verlaesst bzw. ankommt, fliegen immer zwischen 3 und 5 voellig identische Hubschrauber los, in einem sitzt er. Die Strassen um das Weisse Haus werden von der Polizei komplett abgesperrt. Was fuer ein Aufwand! Wie die Dame des Hauses reist, wurde uns nicht berichtet. Vielleicht hoert es sich im Hause Obama so an: „Barack, Schatz, ich brauche noch neue Schuhe fuer das Dinner mit Angela heute Abend. Sagst du schon mal den Piloten Bescheid, ich hol noch eben meine Jacke.“

Wir haben dann noch einen Stopp zum Lunch in Georgetown eingelegt und haben uns die National Cathedral angeguckt, die allerdings durch das Erdeben im August so viel Schaden genommen hat, dass sie geschlossen werden musste. Laut Aussage des Busfahrers kostet allein die Reparatur eines Fensters schlappe 12.500$ – Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld… Das gleiche gilt uebrigens auch fuer das Washington Monument, in das man eigentlich hinein kann – wegen Earthquake geschlossen.

Abends waren wir voellig groggy und sind gemuetlich ins Kino gegangen. Ach ja, ein bisschen shoppen war auch noch drin und ich konnte ein Paar nette Stiefel ergattern – womoeglich DAS Highlight des Tages… 🙂 Hoffentlich kommen wir noch mal nach Washington, ich moechte noch jede Menge angucken: American Indian Museum, Newseum, Martin Luther King Memorial, National Geographic Museum… Unsere naechste Station wird aber erst mal Ende November New York sein!

Fotos mit einigen Erlaeuterungen werde ich wie immer bei Flickr.com einstellen – einfach rechts auf die Bilder klicken, dann geht’s los.

Naechste Station: Washington

Die Kinder haben kommenden Montag schulfrei und Andy hat sich Urlaub genommen – perfekt fuer den naechsten Ausflug. Washington steht auf dem Plan.

Gebucht habe ich das Hotel ueber www.hotwire.com. Man kann dort Hotels, Fluege, Mietwagen oder auch Komplettpakete buchen. Das Interessante: Man gibt den Namen der Stadt an, die besucht werden will. Anschliessend bekommt man einen Festpreis pro Sternekategorie und Stadtgebiet, welches ja fuer den Preis nicht unerheblich ist. Der Name des Hotels wird aber nicht angegeben, allerdings wird eine Auswahl der moeglichen Hotels genannt.

Wir haben ein Zimmer im Holiday Inn im angesagten Stadtteil Georgetown in Washington bekommen und 40$ fuer zwei Naechte gespart. Das ist immerhin schon ein leckeres Abendessen 🙂